Beziehung, Ort, Job – wie trifft man die richtige Entscheidung?

wie trifft man die richtige Entscheidung?

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Wie trifft man die richtige Entscheidung? Herausforderungen schwieriger Entscheidungen

 

Heute möchte ich über ein Thema schreiben, welches mir öfters in meiner Praxis begegnet: Wie trifft man die richtige Entscheidung – soll ich bleiben oder gehen? Welche Option soll ich wählen?

Und ich kann nur zu gut nachvollziehen, wie komplex und schmerzhaft schwierige Entscheidungen sind. Während meines Masters wollte ich entscheiden, wohin in Europa ich mit meinen Zwillingen ziehen sollte, um meinen Surftraum und meine berufliche Entwicklung als Psychologin zu verbinden. „Soll ich bleiben oder gehen?“ oder „Welcher ist der nächste richtige Schritt?“ kann aber auch die aktuelle Beziehung oder den aktuellen Job betreffen.

Ich versuchte damals Kontrolle und möglichst viel Sicherheit zu erlangen, bevor ich mich entscheiden wollte, indem ich sehr lange recherchierte. Es musste doch den einen richtigen Ort geben, wenn ich nur lange genug suche und gut genug abwäge. Oder den Job, der einfach genau zu unseren Interessen und Bedürfnissen passt, mit tollen KollegInnen. Oder den Menschen, den einen richtigen, der Deckel zum Topf, mit dem es einfach passt. Also: irgendwie muss man doch dort hinkommen können, zu der „richtigen“ Entscheidung?

 

Die Realität anerkennen: Perfektion gibt es nicht

 

Die Wahrheit ist: Es gibt keinen perfekten Ort, an dem wirklich alles zusammenkommt. Realistisch betrachtet trifft das wohl auf die meisten Menschen und Situationen zu. Vielleicht gibt es den Job, für den du brennst, aber die Stimmung unter den KollegInnen ist schlecht. Vielleicht denkst du, du hast deinen Deckel gefunden, aber im Laufe der Zeit schleicht sich der Alltag ein, euer Sexleben schläft ein, und das Gras wird grüner auf der anderen Seite.

Und an dieser Stelle trete ich oft ins Leben meiner KlientInnen ein und darf sie ein Stück weit begleiten. An dem Punkt, an dem das Gras auf der anderen Seite grüner ist und die Frage im Raum steht – was nun?

 

Methoden zur Entscheidungsfindung: Pro- und Kontralisten oder Intuition?

 

Pro- und Kontralisten helfen oft nicht, weil schwierige Entscheidungen keine klare beste Option bieten. Während die eine Option in mancherlei Hinsicht besser aussieht, tut es die andere vielleicht in anderer Hinsicht. Wir können uns von der Idee verabschieden, dass es eine klare richtige Option gibt, die wir nur nicht sehen. Gleichzeitig wollen wir wohl kaum um eine Münze werfen, um über unser Schicksal entscheiden zu lassen.

Manchmal liegt die Antwort nicht in sorgfältigen Listen oder Analysen, sondern in dem, was sich tief in dir richtig anfühlt. Vertraue darauf, dass du bereits alle Ressourcen in dir trägst, um eine gute Entscheidung zu treffen. Dein Bauchgefühl kann ein mächtiger Kompass sein, der dir den Weg weist, wenn der Verstand sich im Kreise dreht. Um also eine möglichst informierte Entscheidung zu treffen, können wir uns so lebendig wie möglich in die verschiedenen Optionen hineinversetzen.

 

Deine Werte als Entscheidungsgrundlage

 

Und bevor ich darüber schreibe, wie wir das tun können, möchte ich noch einen wichtigen Gedanken einbringen. Das Gras scheint zwar grüner auf der anderen Seite, aber viel wichtiger ist die Realität: Das Gras ist dort grüner, wo du es gießt. Und deine Werte, das was dir in der aktuellen Phase wirklich tief in deinem Herzen wichtig ist, kommen hier ins Spiel. Wo auf der Welt willst du dein Gras gießen? Oder in welcher Beziehung möchtest du dein Gras gießen?

 

Das Aktuelle wertschätzen und neue Optionen erkunden

 

Im Entscheidungsprozess macht es zunächst Sinn, das Aktuelle, die Option, in welcher du dich gerade befindest, wertzuschätzen. Du hattest sicherlich mal gute Gründe, den Ort zu wählen, an dem du dich gerade befindest, oder in die Beziehung zu dem Partner zu gehen, mit dem du gerade zusammen bist. Nimm dir Zeit, darüber ein wenig zu reflektieren, und auch inwiefern dich dein aktueller Lebensort oder deine aktuelle Partnerschaft beeinflusst hat. Das Aktuelle hat dich sicherlich in der ein oder anderen Weise geformt, du hast vielleicht neue Erkenntnisse oder Blickwinkel erlangen können, und stehst nun verändert da.

Und dann nimm dir Zeit, um dich in die verschiedenen anderen Optionen einzufühlen. Und mit Geduld zu erproben, wie es sich anfühlt, in diesen Optionen. Du kannst dazu verschiedene Orte zu Hause wählen und aufsuchen, die jeweils eine der Optionen repräsentieren. Welche Körperempfindungen werden wahrnehmbar? Was müsstest du akzeptieren lernen? Wer bist du dann (nicht)? Was wird wichtig in dieser Option? Welcher Gedanke bräuchte etwas Raum um sich herum? Welche Bedürfnisse kannst du dir (nicht) gut erfüllen? Gerne begleite ich dich in Form einer psychologischen Beratung beim Vorbereiten und Durchführen dieser umfassenden Übung.

 

Der fortlaufende Entscheidungsprozess

 

Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Entscheidung, wo und wie man sein Gras gießt, ein fortlaufender Prozess ist. Dieser Prozess erfordert nicht nur Zeit und Mut, sondern auch die Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen und zu akzeptieren, dass es keine perfekten Lösungen gibt. Es geht darum, Kompromisse zu erkennen und zu lernen, mit ihnen zu leben. Manchmal bedeutet das, dass man sich von bestimmten Vorstellungen verabschieden kann, um Raum für neue Erfahrungen und Möglichkeiten zu schaffen.

Nimm dir Zeit, lausche deinem Inneren und habe den Mut, den nächsten Schritt zu wagen, egal wie klein oder groß er sein mag. Denn letztlich formen wir unser Leben nicht nur durch die großen Entscheidungen, sondern auch durch die kleinen, alltäglichen Schritte, die wir gehen. Dein Weg entsteht, indem du ihn gehst – Schritt für Schritt.

 

Hier ein Video, welches diesen Aspekt unterhaltsam illustriert:

 

Ich habe mich übrigens entschlossen, mein Gras in Dänemark zu gießen – auch wenn die Wellen, die mich ursprünglich hierher gezogen haben, seit Wochen ausbleiben. Ich nehme Abstriche in der Wellenqualität und Surfhäufigkeit in Kauf. Im Gegenzug genieße ich die Vorteile eines großartigen Schulsystems und eines kinderfreundlichen Landes, das weltweit führend in Gleichstellung, Nachhaltigkeit und geringer Korruption ist – Themen, die mir auch sehr am Herzen liegen. So konnte ich in den letzten Wochen andere Aspekte meines Rasens pflegen und unter anderem diesen Blogbeitrag verfassen.

Ich hoffe, dieser konnte dir hilfreiche Ideen mitgeben. Kommentiere ihn gerne, solltest du Fragen oder Anregungen haben, oder schreibe mir direkt eine Nachricht. Befindest du dich gerade in einem Entscheidungsprozess oder hast eine große Entscheidung getroffen? Was war hilfreich für dich, was besonders schwer? Ich freue mich, von dir zu hören.

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