Strategien zum Umgang mit Unentschlossenheit: stark durch die Entscheidungsphase

Entscheidungsphase durchstehen: Strategien bei Unentschlossenheit

 

Im letzten Beitrag habe ich über die Herausforderungen schwieriger Entscheidungen gesprochen – sei es der richtige Ort zum Leben, die passende Beziehung oder der ideale Job. Wir haben erkannt, dass es keine perfekte Wahl gibt und dass unsere Werte eine zentrale Rolle im Entscheidungsprozess spielen. Ich habe auch betont, dass es hilfreich sein kann, die aktuelle Situation wertzuschätzen und sich in verschiedene Optionen hineinzufühlen. Doch was, wenn die Entscheidung noch aussteht? In diesem Beitrag möchte ich darauf eingehen, wie man mit der Ungewissheit und Unentschlossenheit umgeht und Strategien entwickeln kann, um in der Zwischenzeit gut zurechtzukommen.

Eine offene Entscheidung kann unglaublich einnehmend sein. Als ich mich entscheiden wollte, wo in Europa ich leben möchte, ging mir monatelang nichts anderes durch den Kopf. Auch aus der Arbeit mit KlientInnen kenne ich diese Herausforderung. Die ungeklärte Entscheidung und Unentschlossenheit lastet wie eine schwere Wolke über uns. Wir sind am Sorgen, Grübeln, Abwägen. Vielleicht entwickeln wir auch andere Reaktionen – vielleicht suchen wir ständig am Handy oder anderswo nach Ablenkung, um der schwierigen Entscheidung und ihren Emotionen zu entkommen.

Dabei können wir eine Menge Dinge verpassen, die in unserem aktuellen tatsächlichen Leben stattfinden. Wir sind weniger präsent mit Familie und FreundInnen, leicht abgelenkt bei der Arbeit und genießen schöne Momente kaum. Wie bereits bekannt ist, je mehr Zeit wir in Gedanken verbringen, desto unglücklicher werden wir. Zumal die Tendenz besteht, nicht sonderlich viel zu investieren, wenn wir schon mit einem Fuß aus der Tür sind.

 

Unentschlossenheit: Nicht wählen ist keine Option

 

Was wir tun können, ist zunächst anzuerkennen, in welcher Option wir uns aktuell befinden. Bis zu dem Moment, in dem du deinen Partner verlässt, entscheidest du dich dafür, bei ihm zu bleiben. Bis zu dem Moment, in dem du ausziehst, entscheidest du dich dafür, am aktuellen Wohnort zu bleiben. Wie willst du die Zeit gestalten, in welcher du dich in der aktuellen Option befindest? Für was möchtest du stehen?

Mein Rat: Koste sie voll aus, soweit du kannst, und verliere dich nicht im Blick auf die andere (vermeintlich) grünere Seite.

 

Gefühle, Gefühle, Gefühle…

 

Was wir zudem tun können, ist zunächst anzuerkennen, dass die aktuelle Situation unangenehme Gefühle in uns auslöst. Es ist vollkommen natürlich, Angst, Traurigkeit oder Zweifel zu verspüren. Die Entscheidung ist dir wichtig, und in der Regel gilt: Je wichtiger uns jemand oder etwas ist, desto größer die Gefühle, die uns damit verknüpfen. Erlaube dir, deine Gefühle zu spüren. Alles andere macht unangenehme Gefühle nur unnötig größer. Deine Gefühle können dir außerdem wichtige Informationen für deine Entscheidung liefern. Ich konnte z.B. irgendwann spüren, wie zentral für mich die Art der Kinderbetreuung sein wird, das war mir zunächst nicht bewusst.

Es ist außerdem wichtig, sich bewusst zu machen, dass es keine perfekte, angstfreie Entscheidung gibt. Unabhängig davon, welche Option du wählst, wirst du wahrscheinlich Angst verspüren und Zweifel haben, dich vielleicht auch unruhig fühlen. Wenn du darauf wartest, dass alle Angst verschwindet und du dir vollkommen sicher bist, wirst du wahrscheinlich für immer warten.

Und um mit dieser harten Situation gut zurechtzukommen, können wir uns unterstützend selbst zur Seite stehen. Uns gut um uns kümmern. Achte darauf, wie du in dieser Zeit mit dir selbst umgehst. Wie hältst du deinen Körper, wenn du über die Situation nachdenkst? Welche Dinge sagst du dir selbst (mehr oder weniger bewusst)? Wie würdest du mit einer guten Freundin sprechen? Kannst du so auch mit dir selbst umgehen?

 

Nimm der Entscheidung ihre Omnipräsenz

 

Hilfreich kann es außerdem sein, der Entscheidungsfindung und Unentschlossenheit einen bestimmten Rahmen zu geben. Es ist ganz natürlich, wenn dein Geist immer wieder zu diesem Entscheidungsproblem wandert. Die Frage ist, ob du dauerhaft bei diesen Gedanken verweilen möchtest.

Falls nicht, kannst du dir einen Termin erstellen, zu welchem du regelmäßig an einem festen Ort (z.B. deinem Sofa) erscheinst und über die Entscheidung nachdenken kannst (fünf bis maximal 20 Minuten sollten dafür ausreichend sein). Ist die Last besonders groß, kannst du dies mehrmals am Tag tun. Vielleicht kannst du die Abstände auch größer gestalten, z.B. einmal am Tag oder ein paar Mal die Woche, oder vielleicht sogar nur ein paar Mal im Monat. Erwischst du dich beim Grübeln, erkenne es an und verweise deinen Geist freundlich auf den nächsten Termin. Erscheint dir ein Gedanke wichtig, mach dir eine kurze Notiz. Diese Notizen kannst du dann zu deinem Termin „abarbeiten“, sollten sie dir dann noch relevant erscheinen.

 

Schlussgedanken

 

Entscheidungen zu treffen ist nie einfach, und der Zustand der Unentschlossenheit kann belastend und zermürbend sein. Doch indem wir die aktuelle Situation anerkennen und bewusst gestalten, können wir die Zeit produktiv und erfüllend nutzen. Erlaube dir, die Gefühle zu fühlen, die mit der Ungewissheit einhergehen, und sei mitfühlend mit dir selbst. Versuche, den Entscheidungsprozess nicht allgegenwärtig werden zu lassen, indem du ihm feste Zeiten und Orte zuweist. Auf diese Weise kannst du deine Energie und Aufmerksamkeit besser auf die wertvollen Momente im Hier und Jetzt lenken.

Denke daran, dass es keine perfekte Entscheidung gibt und dass es normal ist, Angst und Zweifel zu verspüren. Doch durch kleine, bewusste Schritte kannst du deinen Weg durch die Entscheidungsphase finden und letztlich eine Entscheidung treffen, die sich für dich richtig anfühlt. Und selbst wenn die Entscheidung weiterhin aussteht, kannst du jeden Tag im Einklang mit deinen Werten leben und das Beste aus deiner aktuellen Situation machen.

Ich hoffe, dieser Beitrag hilft dir, die Unentschlossenheit gut durchzustehen. Wenn du Fragen hast oder deine eigenen Erfahrungen teilen möchtest, freue ich mich, von dir zu hören. Wie gehst du mit Phasen der Unentschlossenheit um? Gibt es etwas, das dir geholfen hat? Teile es in den Kommentaren oder schreibe mir eine Nachricht. Gerne begleite ich dich auch in deinem Entscheidungsprozess. Gemeinsam können wir diese Herausforderungen meistern.

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