Gefühle akzeptieren – wieso und wozu?

wilder Shorebreak als Methapher: man muss schwierige Gefühle akzeptieren, mitten durch, um ins ruhige Wasser zu kommen

Ein zentrales Thema in Psychologischer Beratung Online sind Gefühle. Wenn wir sehr starke, negative Gefühle erleben, und das immer wieder oder über einen längeren Zeitraum, ist es oft ratsam, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auf der anderen Seite ist ein wichtiges Ziel innerhalb der psychologischen Beratung, Gefühle akzeptieren zu lernen. Was das bedeutet, wieso es wichtig ist, Gefühle akzeptieren zu lernen, und weshalb das einem erfüllten, zufriedenen Leben nicht im Wege steht (ganz im Gegenteil!) möchte ich im heutigen Beitrag erklären.

Hast du schon mal versucht, einen aufgeblasenen Ball, z.B. in einem Pool, unter Wasser zu drücken? Und ihn dort unten zu halten? Dann weißt du, dass das kein leichtes Unterfangen ist. Und irgendwann wird dieser Ball deinem Griff entgleiten und unkontrolliert aus dem Wasser herausspringen. Das ist eine schöne Methapher für das, was passiert, wenn du versuchst, deine Gefühle zu unterdrücken – sie bahnen sich irgendwann unkontrolliert einen Weg an die Oberfläche, und bis dahin hat die Unterdrückung der selben viel Kraft gekostet. Das ist nicht der Fall, wenn wir unsere Gefühle akzeptieren lernen.

 

Was es bedeutet, Gefühle zu akzeptieren

Gefühle zu akzeptieren bedeutet, das Erleben deiner Gefühle nicht verhindern zu wollen. Es bedeutet, deinen Gefühlen in deinem inneren Raum zu schaffen, wenn sie auftauchen, und ihnen zu erlauben, da zu sein. Sie zu fühlen, bis sie von alleine wieder verschwinden. Denn oft haben diese Gefühle wichtige Botschaften für dich. Es bedeutet nicht, negative Gefühle hinzunehmen, ohne hinzuschauen, ob sich an deiner Ausgangssituation etwas ändern lässt.

 

Wieso es wichtig ist, Gefühle akzeptieren zu lernen

1. Gefühle enthalten meist Botschaften

Unsere Gefühle können zum Beispiel Aufschluss darüber geben, wer oder was dir wichtig ist. Oder was du in deinem Leben verändern solltest. Ja stärker die Gefühle, desto wichtiger die Sache, mit der sie verknüpft sind. Dort weg zu schauen, hindert dich daran, dein Leben aktiv zu formen. Wenn du dich zum Beispiel lieber mit viel Arbeit ablenkst, statt bestimmte Gefühle und ihre Auslöser zu betrachten, wird es schwieriger sein, negative Konsequenzen eines wichtigen unerfüllten Bedürfnisses wie steigende Unzufriedenheit richtig einzuordnen. Gefühle akzeptieren zu lernen, ist also ein Weg hinzuschauen, um aktiv das eigene Leben formen zu können. Manchmal enthalten unsere Gefühle auch nichts, was sich in Handlungen umwandeln lässt. Dann ist es angebracht, Selbstfürsorge zu zeigen.

 

2. Das Vermeiden von Gefühlen hat oft negative Langzeitfolgen

Das Vermeiden von Gefühlen äußerst sich oft im Zeigen von Verhaltensweisen, die dich weiter weg von dem Leben bringen, das du eigentlich führen möchtest. Hier können viele psychischen Störungen als Beispiel angeführt werden: Angststörungen zum Beispiel – hier möchten KlientInnen das Gefühl von Angst vermeiden, und vermeiden damit alle Situationen, die Angst auslösen könnten. Dadurch entsteht eine wesentliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. Es gibt aber auch Beispiele, die noch mehr Menschen selbst erleben: Das Gefühl, in Konfliktsituationen Recht haben zu wollen, weil es sich besser anfühlt, uns aber meist kein Stück weiter bringt. Oder die Runde Sport, zu der man sich motivieren muss und aus der Comfort Zone durch zunächst unangenehme Gefühle muss.

 

3. Negative Gefühle über Gefühle machen das Gefühlschaos größer

Ein weiterer Punkt ist die Art und Weise, wie du zu deinen Gefühlen stehst. Also so genannte Meta-Emotionen, die Gefühle, die du über deine Gefühle hast. Diese können problematisch werden, wenn du bestimmte Gefühle als Problem bewertest. Das kann dazu führen, dass die Gefühle größer werden und damit mehr Platz in deinem Leben einnehmen, als eigentlich nötig wäre. Dazu gibt es hier ein kurzes Video, das diesen Aspekt gut erklärt. Es hat sich außerdem gezeigt, dass Paarbeziehungen dann belasteter sind, wenn PartnerInnen unterschiedliche Meta-Emotionen haben. Wenn es für einen Partner z.B. okay ist, wütend zu werden, der andere dies aber als bedrohlich wahrnimmt.

 

Wie Akzeptanz von Gefühlen deine Lebensqualität steigern kann

Wenn du deine Gefühle akzeptierst, musst du kein (Vermeidungs-)Verhalten zeigen, dass dich von dem weg bringt, das du dir wünschst. Zumal können schmerzhafte Erlebnisse erst dadurch verarbeitet werden, dass die das Erlebnis begleitenden Gefühle durchlebt werden.

 

The only way out is through“

 

Viele Dinge, die unser Leben voll und lebenswert machen, sind zuerst unangenehm: der unsichere erste Schritt auf eine Unbekannte, obwohl du dir eine Freundschaft wünschst. Das Schreiben einer Bewerbung für eine Position, die du toll fändest, aber Zweifel an deiner eigenen Kompetenz hast, obwohl dieser Job dein Traumjob wäre. Die tausenden gescheiterten Versuche auf dem Weg zum Erlernen einer neuen Fähigkeit, die du gerne beherrschen möchtest. Die unangenehme Kontaktaufnahme zu einer Psychologin, obwohl du weißt, dass du manche Dinge in deinem Leben vielleicht mit Hilfe angehen musst.

All das verlangt von dir, dich unwohl, unsicher und verletzlich zu fühlen. Aber nur durch diese Gefühle hindurch kannst du Verhaltensweisen zeigen, die dich deinem angestrebten Leben näher bringen. Nur so kannst du die Person werden, die du sein willst und authentisch sagen, dass du dein Leben in Fülle lebst und gelebt hast. Oftmals bedarf es der Zusammenarbeit mit einer Psychologin, um mit den eigenen Gefühlen besser in Kontakt treten zu können, und oben Beschriebenes zu erlernen.

Gibt es eine Sache in deinem Leben, die du eigentlich angehen solltest, aber doch immer wieder vor dir her schiebst? Kommentiere gerne diesen Beitrag oder teile sie mit mir in einer Email.

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